Funck, Johannes

PND 124899617

geb. 7.2.1518 in Wöhrd bei Nürnberg, gest. (hingerichtet) 28.10.1566 in Königsberg, luth. Theologe, Hofprediger. 

Geboren als Sohn eines Fischers, studierte F. in Wittenberg, wurde 1539 Magister artium, hatte verschiedene Pfarrstellen, darunter in seinem Heimatort inne, bis er dort vom Rat der Stadt Nürnberg wegen antikaiserlicher Agitation 1547 entlassen wurde. Auf Empfehlung Veit Dietrichs ging F. im Sommer 1548 nach Preußen. Zuerst interimistisch mit dem Pfarramt der altstädtischen Kirche in Königsberg betreut, wurde er nach Andreas Osianders Eintreffen und Übernahme dieser Stelle Hofprediger. Schnell wurde F. zum Mitstreiter Osianders; schon im Konflikt mit Matthias Lauterwald, der bis zur Anhörung vor Bischof Paul Speratus führte, stand er auf seiner Seite. Nach Ausbruch des eigentlichen Streit um Osianders Disputation im Oktober 1550 bezog F. mit Predigten, Bekenntnissen und Streitschriften für diesen Stellung, verfasste Angriffe auf den Widersacher Joachim Mörlin und bestärkte Herzog Albrecht in dessen Unterstützung Osianders. Nach Osianders Tod im Oktober 1552 hielt er nicht nur die Trauerrede, sondern heiratete bald darauf Osianders Tochter, die Witwe des Arztes Johannes Aurifaber. 1553 veröffentlichte er seine Hauptschrift „Warer und gründlicher Bericht“, in der er Osianders Lehre unverändert vertrat. Die wachsende Opposition gegen die osiandrische Lehre und die Kirchenpolitik Hzg. Albrechts richtete sich nun gegen F. als deren wichtigsten Vertreter, der als Beichtvater des Herzogs seinen Einfluss nutzte und die Entlassung seiner Gegner erreichte. Weder die Vermittlungsversuche der Württemberger noch die Mission der sächsischen Theologen (Justus Menius und Johann Stoltz) brachten eine Beilegung des Streits. Dem Vorschlag Brenz’, F. möge sich eine Zeitlang des Predigens enthalten, mochten weder er noch der Herzog folgen. Albrecht versuchte weiterhin, die Kontroverse ohne Maßnahmen gegen die Osiandristen zu unterdrücken und entließ zahlreiche von deren Gegnern im August. Erst unter dem Einfluss seines Schwiegersohn Johann Albrechts von Mecklenburg entzog Albrecht F. die Protektion. Auf der Synode in Riesenburg musste F. 1556 einen Widerruf seiner Irrlehren, die ihm aus seinen Schriften vorgelegt wurden, leisten. Allerdings blieb er die versprochen Revokation vor seiner Königsberger Gemeinde schuldig. Die erneuerte Kirchenordnung von 1558 war in den Augen seiner Gegner auch auf den Einfluss Funcks zurückzuführen, auch wenn er sie nicht verfasst hatte. Funcks Einfluss auf die Politik Herzog Albrechts blieb aber groß, und er geriet zur Hauptperson der Kritik an den kirchlichen und politischen Zuständen. 1561 rückte F. von seinen osiandrischen Lehrauffassungen weitgehend ab, ließ sich in Wittenberg und Leipzig ein Zeugnis seiner Rechtgläubigkeit ausstellen, musste schließlich 1563 in vier Predigten vor der Königsberger Gemeinde seine Lehre widerrufen und sich von seiner Hauptschrift distanzieren. Die ständische Opposition in Preußen erreichte 1566 das Eingreifen des Königs von Polen als Lehnsherrn in die politischen Situation, die der alte Herzog nicht mehr kontrollieren konnte; eine Untersuchungskommission stellte F. und andere Räte unter die Anklage der Störung des öffentlichen Friedens; noch einmal wurde ihm auch seine Haltung im osiandrischen Streit und die damit verbundenen kirchenpolitischen Maßnahmen zur Last gelegt. In einem Verfahren ohne Appellationsmöglichkeit wurde F. zum Tode verurteilt und hingerichtet. Damit endete auch der Osiandrismus in Preußen. Neben zahlreichen theologischen Schriften hat F. auch chronologisch-historische Werke, Übersetzungen und Gedichte verfasst. 

ADB, NDB, RE, RGG3, TRE, BBKL, LThK

Deutsches Biographisches Archiv (DBA): I 361,290-304;II 419,249-257;III 274,220-221