Leitung

Prof. Dr. Irene Dingel

 

 

 

 

 

 


Hauptamtliche Mitarbeiter

Dr. Jan Martin Lies

 

 

 

 

 


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Forschungsprojekt Controversia et Confessio

Zur Einführung

Das Forschungsprojekt geht von der kirchengeschichtlichen Tatsache aus, daß sich in den innerprotestantischen Streitigkeiten, die nach dem Augsburger Interim und dem Leipziger Landtagsentwurf von 1548 aufbrachen, zum ersten Mal nach Luthers Tod und unter dem Einfluß Melanchthons deutlich die theologische Vielfalt des Protestantismus Augsburgischer Konfession äußerte. Hier wurden Fragen diskutiert, die für die weitere Entwicklung von Bekenntnis und Lehre bis in die Gegenwart hinein von ausschlaggebendem Charakter waren und für die beginnende Konfessionalisierung auch auf dem gesellschaftlichen, politischen und kirchenpolitischen Feld entscheidende Weichenstellungen trafen. Deren konsequente und adäquate Erschließung, d. h. über das hinausgehend und jenseits dessen, was aus der zeitgenössischen Polemik bis in heutige Hand- und Lehrbuchdarstellungen hinein nachwirkt, ist bisher jedoch an der Unübersichtlichkeit und Unzugänglichkeit der Quellen gescheitert. Die Quellenedition wird deshalb zentrale Texte zu den adiaphoristischen, antinomistischen, majoristischen, synergistischen und osiandrischen Streitigkeiten, zu den Auseinandersetzungen um die anthropologische Relevanz der Erbsünde sowie um das Verständnis von Abendmahl und Christologie bereitstellen. Damit werden solche Quellentexte zugänglich gemacht, die bisher zum weitaus überwiegenden Teil weder gesichtet noch ausgewertet worden sind. Sie legen aber den Grund für ein rechtes Verständnis der sowohl auf fürstlicher Seite als auch auf theologischer Ebene einsetzenden Klärungsprozesse und Einigungsbemühungen im Protestantismus.

In einem ersten Arbeitsschritt wurde der Bestand der etwa 1300 einschlägigen Streitschriften bibliographisch erfasst und mit Kommentaren und biographischen Skizzen zu den beteiligten Theologen und Politikern in der vorliegenden Datenbank erschlossen. Die Datenbank wird laufend ergänzt und aktualisiert. Gegenwärtig werden die zentralen Texte der jeweiligen Streitkreise in einer kommentierten Druckausgabe (ggf. auszugsweise) ediert.

Unter dem Titel "Die Debatte um die Wittenberger Abendmahlslehre und Christologie (1570-1574)" erschien im Mai 2008 als erster Teil der Editionsreihe Band 8 bei Vandenhoeck & Ruprecht.

Im Jahr 2010 ist in demselben Verlag der erste Band der Editionsreihe unter dem Titel "Reaktionen auf das Augsburger Interim. Der Interimistische Streit 1548/49" erschienen. Fortan sollen im kontinuierlichen Abstand von zwei Jahren die übrigen Editionsbände publiziert werden.

2012: Adiaphoristischer Streit (1548-1560)

Thematik: Problem der Freiheit kirchlicher Gebräuche; Frage der Einheit von Lehre, Bekenntnis und Kirchenverfassung; Zusammenhang von Lehre und Bekenntnis mit Kultus bzw. kirchlichen Riten, Problem des Verhältnisses von Kirche und Staat; Widerstandsproblematik

2014: Majoristischer Streit (1552-1570)

Thematik: Rolle der guten Werke im Leben des Christen; im weitesten Sinne die Frage der Bewertung ethischen Handelns

2016: Antinomistischer Streit (1556ff.)

Thematik: Frage des Gebrauchs des Gesetzes, des "tertius usus legis" als "usus paedagogicus" des Gesetzes und der (Anwendungs-) Bereiche von Gesetz und Evangelium.

2018: Synergistischer Streit (1555-1560/61)

Thematik: Problem des freien Willens des Menschen; Frage der Möglichkeit einer freien Option für das Gute.

2020: Erbsündenstreit (1560/61ff.)

Thematik: Frage der Substantialität der Erbsünde und damit nach dem christlichen Menschenbild; Einsatz der Fragestellung bei der Weimarer Disputation von 1560.

2022: Osiandrischer Streit (1549-1552ff.)

Thematik: Die "spiritualisierende" Rechtfertigungslehre Andreas Osianders und deren Zurückweisung.

 

Veröffentlichungen